Vom Prozessmaler zur Struktureffizienz

In den letzten Jahren habe ich oft an die Gespräche mit meinen Eltern in meiner Teenagerzeit gedacht. Kennt wahrscheinlich jeder, solche Aussagen: „Wenn du mal deine eigene Familie hast“, „Wenn du mal groß bist“ und so weiter. Alles Dinge, die darauf hinweisen, dass man sich verändert und auch die Perspektiven wechselt. Was soll ich sagen? Natürlich haben sie recht behalten.

Ich hätte aber niemals gedacht, wie sehr das auch auf meine berufliche Entwicklung zutrifft, wie stark ich mich da verändern würde und dass ich mich wirklich von einem Methoden-Nerd zu einem absoluten Pragmatiker entwickeln würde. Aber der Reihe nach.

Du musst jetzt mal die Logistikprozesse aufschreiben

Mein erster Job war eigentlich Projektleiter Logistik. Doch so schnell konnte ich gar nicht schauen, war ich plötzlich dabei, Logistikprozesse zu entwickeln und zu automatisieren. Eine meiner ersten Aufgaben, die mir von einem Kollegen übertragen worden sind: „Du musst jetzt mal hier die Logistikprozesse im Lager erfassen und aufschreiben.“

Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte, also hat er mir ein paar Visio-Bilder gezeigt, in denen er, ja, ich würde mal sagen, in einer Art EPK die verschiedenen Schritte aufgemalt hat. Also bin ich ans Werk. Warum? Weil ich es nicht besser wusste. In meinem ganzen Studium zum Wirtschaftsingenieur gab es so etwas nicht. Prozessmanagement oder Prozessmanagement-Methoden hatte ich nie gelernt. Also habe ich das getan, was man mir gesagt hat.

Und ähnlich war es auch später, im großen Konzern als interner Prozessmanager oder später, als ich das Prozessmanagement mit aufgebaut habe. Ich habe eigentlich das genutzt, was andere mir gezeigt haben, was vorgelegen hat oder was wir in internen Weiterbildungen gelernt oder uns selbst angeeignet hatten.

Ich habe nichts über die EPK kommen lassen

Und damit bewaffnet bin ich auch 2012 als Selbstständiger gestartet. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich gerade in der Diskussion um die Art der Prozessmodellierung nichts über die EPK habe kommen lassen. Ich habe diese Methode mit meinem ganzen Leben verteidigt. Damals.

Und ab 2013 habe ich begonnen, all mein Wissen und meine Erfahrungen in meinem Blog Prozessmaler zu teilen. Allein der Name, da habe ich mich selbst ein bisschen aufs Korn genommen, hat gezeigt, dass ich etwas anders mit der Thematik umgehe.

Nun, was soll ich sagen? Irgendwann war ich nicht mehr Selbstständiger und Freelancer, sondern habe begonnen, ein Unternehmen zu gründen und aufzubauen. Und da habe ich zum ersten Mal deutlich gemerkt, dass all die Dinge, so wie ich sie mir vorgestellt habe und wie ich geglaubt habe, dass die Theorie in der Praxis wirkt, oftmals nicht zutreffen.

Ich habe dann nicht nur bei mir intern, sondern auch in meinen Kundenprojekten angefangen, die Dinge anders zu betrachten und anders zu hinterfragen. Und genau das mündet heutzutage in meinen Ansatz, den ich Struktureffizienz nenne.

Auch uns selbst hinterfragen

Und genau darum soll es ab sofort hier in meinem eigenen Blog gehen. Nicht zu kritisieren, warum etwas schlecht gelaufen ist, sondern zu akzeptieren, dass es ein Lernprozess ist, dass wir oftmals auch gar nicht anders können und trotzdem die Bereitschaft mitzubringen, nicht nur immer salopp auf andere hinzuweisen: „Ja, das machen wir schon immer so“, sondern auch uns selbst zu hinterfragen und damit einen Denkraum zu öffnen, der uns oftmals fehlt.

Aber auch klar zu zeigen, wie ich heute an die Themen Prozessmanagement, Prozessoptimierung und Organisation rangehe und oftmals sehr gute und pragmatische Lösungen gefunden habe.

Ich freue mich, wenn ihr mich auf dieser Leserreise begleitet und auch ganz kritisch eure Meinungen dazu äußert. Denn alles, was ich sage, läuft unter einer Blickrichtung: Es funktioniert dort in meinen Fällen. Aber ich behaupte nicht, dass ich die Nonplusultra-Lösung habe, dass das immer genau so funktioniert oder dass nicht andere Lösungen genauso funktionieren könnten.

Zum Autor

Ich bin Bernd Ruffing, Gründer von prozesspunktnull.

Seit über 20 Jahren beschäftige ich mich mit Prozessen und Organisation. Hier teile ich meine Erfahrungen und meine Sicht darauf, warum Arbeit in Unternehmen funktioniert oder immer wieder ins Stocken gerät.

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